14 Millionen Euro Defizit – und trotzdem investieren?

24.02.2026
Pressemitteilung
Rodgau steht im Haushaltsjahr 2026 vor einem Defizit von 14 Millionen Euro im laufenden Haushalt. Gleichzeitig wurden Investitionen beschlossen – etwa die Neugestaltung der Fläche des alten Friedhofs in Nieder-Roden oder die Aufwertung der Grünanlage rund um den Wasserturm.
Viele Bürgerinnen und Bürger fragen uns deshalb:
  • ​Müsste man in solchen Zeiten nicht jede Investition stoppen?
  • Sollten wir nicht erst sparen, bevor wir weiter bauen und gestalten?
Diese Fragen sind berechtigt. Und genau deshalb möchten wir erklären, warum Investitionen und Haushaltskonsolidierung kein Widerspruch sind – sondern zusammengehören.

Wo liegt das eigentliche Problem?

Unser strukturelles Problem liegt nicht in den Investitionen. Es liegt vor allem in Aufgaben, die wir übernehmen – ohne eine ausreichende Finanzierung durch Bund oder Land zu erhalten.

Ein Beispiel: Die Kinderbetreuung verursacht jährlich ein Defizit von fast 20 Millionen Euro. Hier liegt ein zentrales Handlungsfeld, wenn wir den Haushalt langfristig stabilisieren wollen.

Der Investitionsstau: Ein Problem, das wir nicht länger verschieben dürfen

Schauen wir ehrlich auf unsere Stadt:
  • ​Marode Straßen
  • Sanierungsbedürftige Bürgerhäuser und Sporthallen
  • Ein Rathaus mit Investitionsbedarf
  • Öffentliche Anlagen, die nicht mehr den heutigen Ansprüchen an Aufenthaltsqualität entsprechen
In den 2010er Jahren waren Kredite historisch günstig. Trotzdem wurde nicht ausreichend investiert. Warum? Weil die finanzielle Lage angespannt war und man politische Debatten – etwa um Straßenbeiträge – gescheut hat.

Die Folge: Die Probleme wurden nicht gelöst. Sie wurden verschoben.
Und heute?
  • ​Zinsen sind drei- bis viermal so hoch.
  • Baukosten haben sich teilweise verdoppelt.
  • Die Schäden sind größer als vor 10 oder 15 Jahren.
War das weitsichtig? Wir sagen klar: Nein.

Warum ein Investitionsstopp keine Lösung wäre

Viele der jetzt laufenden Maßnahmen wurden vor zwei oder drei Jahren beschlossen.
  • ​Hohe Planungskosten wären verloren.
  • Bereits gebundene Mittel wären wirkungslos eingesetzt.
  • Das Problem würde nur weiter in die Zukunft verschoben.
Und wer glaubt, dass dieselbe Maßnahme in fünf Jahren günstiger wird, ignoriert die Erfahrungen der letzten 15 Jahre. Investitionen sind keine Luxusprojekte. Sie sind Investitionen in die Substanz unserer Stadt.

Unser Kurs: Investieren mit Augenmaß – und gleichzeitig konsolidieren

Wir investieren dort,
  • ​wo Infrastruktur erhalten werden muss,
  • wo die Stadt attraktiver wird,
  • wo langfristige Stabilität gesichert wird.
Nicht, um herrschaftliche Parkanlagen zu schaffen, sondern um lebenswerte Aufenthaltsräume zu gestalten.
Gleichzeitig arbeiten wir daran,
  • ​laufende Kosten zu überprüfen,
  • Strukturen effizienter zu machen,
  • Defizite – insbesondere bei dauerhaft unterfinanzierten Aufgaben – zu reduzieren.
Beides gehört zusammen: Substanz sichern und laufende Belastungen senken.
Verantwortung heißt, heute nicht auf Kosten von morgen zu handeln
Auf den ersten Blick klingt es logisch: Kein Geld? Dann keine Investitionen. Bei genauer Betrachtung zeigt sich jedoch: Wer heute nicht investiert, zahlt morgen ein Vielfaches – finanziell und strukturell. Wir wollen nicht, dass kommende Generationen vor noch größeren Problemen stehen. Deshalb setzen wir auf eine Politik mit klaren Prioritäten, Maß und Verantwortung.
Wenn Sie Fragen haben oder anderer Meinung sind: Sprechen Sie uns an. Diskussion gehört zur Demokratie – und gute Entscheidungen entstehen im Dialog.
Dorothe Räpple
Stadtverband (Stellvertr. Vorsitzende)
OV Rodgau Süd (Stellvertr. Vorsitzende)
Fraktion (Stadtverordnete)
Ausschuss für Soziales
Ausschuss für Ökonomie